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Christiaan Barnard ist 30 Jahre nach seiner ersten Herzverpflanzung in Wien
"Das Herz ist nur eine Pumpe"
WIEN (SN, APA, 17.09.1998) - Alles dreht sich um Organtransplantationen: Gleich mehrere Veranstaltungen beschäftigen sich in diesen Tagen in Wien mit dem Spenden bzw. mit dem Verpflanzen von Organen. Gestern, Mittwoch, fand im Wiener AKH ein Symposium zum Thema "30 Jahre Herztransplantation" statt, zu dem auch der südafrikanische Pionier Christiaan Barnard kommt. Der 30. Jahrestag war allerdings bereits vergangenes Jahr, am 3. Dezember.

In die Zukunft soll der 2. Europäische Tag für Organspende und Transplantation am Samstag in der Wiener Hofburg weisen. Pro Jahr sterben in Österreich rund 150 schwerstkranke Patienten, während sie auf ein Spenderorgan warten.

Am 3. Dezember 1967 war die Nachricht von dem Eingriff an dem 55jährigen Louis Washansky um die Welt gegangen. Der Patient starb allerdings nach 18 Tagen. Der zweite, Philip Blaiberg, überlebte immerhin schon 20 Monate. "Das Herz wird mit Leben, Tod, Liebe und auch der Seele in Verbindung gebracht. Für mich als Mediziner ist es dagegen nicht mehr als eine Pumpe. Ich habe mich nie für ein Genie, sondern für einen ganz durchschnittlichen Chirurgen gehalten, der eine neue Technik entwickelt hat", stellte Barnard aus Anlaß der 30-Jahr-Feier fest.

In Österreich nahm Univ.-Prof. Dr. Raimund Margreiter die erste Herztransplantation am 11. Oktober 1983 in Innsbruck vor. Im März 1984 folgte ein Team unter dem Wiener Spezialisten Univ.-Prof. Dr. Ernst Wolner. 1986 wurde die erste derartige Operation in Graz durchgeführt.

Mittlerweile wurden in Österreich bis zum Stichtag 30. Juni dieses Jahres 963 Herztransplantationen durchgeführt. In den vergangenen Jahren waren es bei leicht fallender Tendenz wegen des Mangels an Spenderorganen jeweils rund 100. 80 Prozent der Patienten überleben zumindest ein Jahr, allerdings sterben 50 Prozent, während sie auf die Transplantation warten.

"In Österreich könnten jährlich von rund 700 Toten Organe transplantiert werden", erklärte der Leiter der Klinischen Abteilung für Transplantation am Wiener AKH, Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Mühlbacher, aus Anlaß des am 19. September in Wien stattfindenden 2. Europäischen Tages für Organspende und Transplantation.

Mühlbacher: "Von den in Österreich rund 4500 Patienten mit endgültigem Nierenversagen haben etwa 2300 erfolgreich eine Transplantation erhalten. Das bringt Gesundheit und Lebensqualität und spart wegen der nicht notwendigen Dialyse pro Jahr rund 1,6 Mrd. S. Bei den Herz- und Lebertransplantationen, die ebenfalls bereits zum medizinischen Standard gehören, sind die Operationen lebensrettend. Hier gibt es keine Alternative."

Worauf es ankomme: Potentielle Organspender, vor allem hirntote Unfallopfer, müßten in den Peripheriespitälern als solche erkannt, die Chance auf eine Organentnahme müßte verwirklicht werden. Auf alle diese Fragen soll am Samstag in Wien eingegangen werden.

© <A HREF="Icon www.salzburg.com/"  TARGET="_top">Salzburger Nachrichten (SN)</A>

Quelle: SN, Datum: 17.09.1998
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